Paderborn, Neubau Volksbank am Kötterhagen

Schon im späten 8. Jh., unter Karl dem Großen, war der Bereich zwischen Kötterhagen und Kasseler Straße in Paderborn mit einem Graben befestigt. Durch die Nutzung dieses Areals südlich des Domes als lokalen Steinbruch für die zahlreichen Bauvorhaben der Bischöfe im 11. Jh. entwickelte sich daraus eine bis zu 50 m breite und über 13 m tiefe Grube. Seine Bedeutung als beeindruckende Befestigung der Domburg verlor der Graben mit dem Bau der Stadtmauer um 1150. Um neues Bauland für Wohnhäuser zu gewinnen, ließ der Bischof diese riesige Senke etwa zur Hälfte mit Gesteinsschutt auffüllen – darauf bauten ab dem 12. Jh. Kaufleutefamilien ihre Wohn- und Lagerhäuser. Durch Brand o.a. zerstörte Gebäude wurden abgerissen und die neuen Häuser auf dem entstandenen Schutt errichtet. Auf diese Weise entstand eine über 7 m hohe archäologische Schichtenabfolge. Im Zuge der Planungen eines Neubaus mit Tiefgarage der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold eG fanden in den Jahren 2005-2008 umfangreiche Ausgrabungen der Stadtarchäologie Paderborn auf dem Gelände statt. Dabei wurde entlang der Westseite des Grabungsareals auch ein 16 m langes und 7 m hohes Profil dokumentiert, das in der Westwand der Tiefgarage zu sehen ist. Es besteht aus Mauern von mehreren Gebäuden und einem Brunnen sowie Brand- und weiteren Siedlungsschichten. Die Mauern können dank Festigung und Steinergänzungen im Original präsentiert werden, eine Erhaltung der Siedlungsschichten hingegen war nicht möglich.

Aus diesem Grund wurden von uns für zwei Flächen (80 cm x 180 cm und 160 cm x 180 cm groß) Profilrekonstruktionen angefertigt, die eine maßstabsgetreue Darstellung der Schichten ermöglichen. Um die Rekonstruktionen so originalgetreu wie möglich gestalten zu können, wurden nach der Anfertigung von fotogrammetrischen Aufnahmen vor Ort Schichtensedimente, Fundstücke und Kalkbruchsteine aus den Originalschichten geborgen, sorgfältig getrennt in die einzelnen archäologischen Befunde. Die Sedimente wurden getrocknet und zerkleinert, die Fundobjekte sowie die Steine gewaschen und für die Einbringung in die Rekonstruktionen vorbereitet. Nach dem Bau der Trägerkonstruktionen erfolgten die Strukturierungen der Untergründe, das Einzeichnen der archäologischen Befunde und danach das Aufbringen der Steine und Funde sowie der Sedimente in mehreren Schichten. Auf den Einsatz jeglicher nicht-originaler Materialien bei der Gestaltung (beispielsweise Acrylfarben) wurde dabei bewusst verzichtet. Die Festigungen und Versiegelungen der Oberflächen bildeten den Abschluss der Arbeiten und sorgen für einen Schutz, der den klimatischen Bedingungen einer Tiefgarage gewachsen ist.

Vorbereitete GrundplattenBild klicken zum Vergrößern

Sortierung der SedimenteBild klicken zum Vergrößern

Zerkleinern und Sieben der SedimenteBild klicken zum Vergrößern

Verklebung der Original KalksteineBild klicken zum Vergrößern

Auftrag der StrukturBild klicken zum Vergrößern

Auftrag der verschiedenen SedimenteBild klicken zum Vergrößern

TransportfertigBild klicken zum Vergrößern

Einbau der Profile 1Bild klicken zum Vergrößern

Einbau der Profile 2Bild klicken zum Vergrößern

Anbringung der SchutzfolienBild klicken zum Vergrößern

Eingebaut Profil ABild klicken zum Vergrößern

Eingebaut Profil BBild klicken zum Vergrößern