Schloss Neuhaus

Das Historische Museum im Marstall von Paderborn-Schloß Neuhaus wurde im April 1994 im Südflügel des ehemaligen fürstbischöflichen Marstalls des Schlosses eröffnet.

Für die Neugründung des Museums stellte der Sammler Hans Joachim Nachtmann seine Funde aus dem Schlossgraben zur Verfügung. Das Fund- und Lesematerial konnte von ihm im Zuge der Schlossgrabensanierung in den Jahren 1980 bis 1993 geborgen werden – es handelt sich um einen der größten Gräftenfunde in Nordrhein-Westfalen. Die Fundstücke haben aufgrund der nur spärlichen schriftlichen Überlieferung einen besonderen kulturhistorischen Wert, stammen sie doch zum größten Teil aus dem Haushalt der fürstbischöflichen Hofhaltung (1275 – 1802) und zum Teil aus der Zeit der militärischen Nutzung des Schlosses nach der Säkularisation. Insgesamt datiert das Fundmaterial vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, es handelt sich im wesentlichen um Keramik- und Glasfunde, aber auch um Metall- und Lederfunde, Tierknochen sowie Tonpfeifen, Ofenkacheln, Militärgegenstände uvm. Hans Joachim Nachtmann selbst hat das Material sortiert und einige Stücke restauriert. Eine größere Untersuchung, Restaurierung und wissenschaftliche Aufarbeitung ausgewählter Objekte geschah erstmalig im Jahr 2007 im Rahmen eines Projektes der LWL-Stadtarchäologie Paderborn, der Paderborner Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit Pigal e.V. und dem Historischen Museum im Marstall. Hierbei wurden die zahlreichen Keramikfunde restauriert und in einer Datenbank erfasst.

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Lage der GräftenfundeBild klicken zum Vergrößern

Im Jahr 2009 konnten im Rahmen eines weiteren Projektes 52 Lederobjekte, 5 (8) Metall- und 2 Glasobjekte restauriert werden.

Leder:

  • Es handelt sich um 26 größtenteils komplett erhaltene Schuhsohlen sowie Fragmente von Oberledern und Absätzen. Das Leder war nach dem Auffinden an der Luft getrocknet und hatte sich durch den unkonservierten Zustand erheblich deformiert. Im Zuge der Restaurierung war eine erneute Wässerung erforderlich. Nach der Reinigung konnte das Leder in Aceton getrocknet werden und die ursprüngliche Form wieder hergestellt werden. Die Konservierung erfolgte durch British Museum Leather Dressing mit einem Zusatz von Zedernholzöl als Fungizid. Abschließend wurde eine zeichnerische und fotografische Dokumentation der restaurierten Objekte angefertigt.

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Metall:

  • Bei den Metallfunden handelt es sich um 5 Löffel aus Silber, verchromtem Kupfer und Buntmetall. Sie wurden chemisch und mechanisch gereinigt und mit mikrokristallinem Wachs konserviert. Nicht aus der Schlossgräfte stammen 3 weitere Metallfunde: Eine Axt, eine Hacke und ein Bolzen aus Eisen, die als Feldfunde im Historischen Museum im Marstall abgegeben worden waren. Bolzen und Hacke wurden nach der mechanischen Freilegung und Entsalzung mit säurefreiem Wachs konserviert. Die Axt war nach dem Auffinden mehrere Jahre unkonserviert gelagert worden, wodurch der Großteil der informationstragenden Oberfläche durch Akaganeit abgesprengt worden war. Bei der Freilegung der noch erhaltenen Korrosionsschichten konnten dennoch ausreichende Bereiche der originalen Oberfläche aufgefunden werden, was eine Formrekonstruktion der entstandenen Fehlstellen ermöglichte.

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Glas:

  • Eine kleinere Flasche sowie ein Becher mit Mattschliffdekor sollten ebenfalls restauriert werden, um in einer Sonderausstellung des Weserrenaissance-Museums Schloss Brake ausgestellt werden zu können.